| Neurodermitis | ||||||
Neurodermitis ist eine erblich bedingte Erkrankung aus dem allergischen Formenkreis. Deswegen kann diese schubweise verlaufende Erkrankung ursächlich nicht geheilt werden. Das heißt aber nicht, daß man sie nicht behandeln kann. Sie wird durch eine Vielzahl von Faktoren (Hautpflege, Ernährung, Psyche...) in ihrem Schweregrad und in der Häufigkeit der auftretenden Schübe beeinflußt. Hierin liegt neben der medikamentösen Therapie ein wichtiger Ansatzpunkt im täglichen Umgang mit dieser Krankheit, den wir in unserem Informationsblatt aufgreifen wollen. Kein Kind ist wie das andere. Das gilt insbesondere für Kinder mit Neurodermitis. Eltern und Patienten müssen selbst überprüfen, welche Faktoren die Erkrankung verschlechtern bzw. verbessern. Die hier zusammengetragenen Empfehlungen sind Erfahrungswerte, die wohl für die Mehrzahl, nicht aber für alle Kinder richtig sind. Sie ersetzen selbstverständlich nicht das therapeutische Gespräch mit uns. |
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Allergenarm! Keine Haustiere, keine Teppiche aus Tierhaaren. Vorsicht mit stark allergenen Pflanzen wie Chrysantheme, Aster, Primel und Sonnenblume. Liegt eine Hausstaubmilbenallergie vor, so ist eine spezielle Sanierung erforderlich. Kein Zigarrettenrauchen in der Wohnung! Tabakrauch reizt Schleimhäute und Bronchien und kann eine Allergieentstehung begünstigen. Keine trockenen, übermäßig beheizten Räume. Die Kinder vertragen Schwitzen sehr schlecht. Wenn (noch) möglich: Keine Holzschutzmittel sondern Wachse verwenden. Als Lösemittel z.B. für Dispersionsfarbe keine Kohlenwasserstoffe sondern Wasser. Beim Möbelkauf auf Formaldehydfreiheit achten. Kinder mit Neurodermitis reagieren auf etliche Chemikalien sehr empfindlich.
Nicht zu häufig und wenn, dann kühl (höchstens 36 °C) baden. Meiden Sie alkalihaltige Seifen. Besser verträglich sind pH-neutrale, milde Syndets oder nur klares Wasser. Beim Duschen und Baden sind rückfettende Ölbäder Pflicht. Kleiebäder sind bei frischen, nässenden Ekzemen zu empfehlen. Das Kind sollte nach dem Baden nicht trocken gerieben, sondern vorsichtig abgetupft werden. Danach am ganzen Körper mit einer Fettcreme eincremen. |
Das chlorierte Wasser im öffentlichen Schwimmbad bereitet manchen Kindern Problem (ausprobieren!). In der Regel günstiger ist das Schwimmen/Plantschen in einem naturbelassenen Badesee. Salzhaltiges Meerwasser in Verbindung mit allergenarmer Seeluft wirkt sich oftmals günstig auf einen Krankheitsschub aus.
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Meiden Sie rauhe Fasern (Wolle, Kunststoff), nehmen Sie stattdessen Baumwolle oder Popeline. Lassen Sie die oft betroffenen Arme, Beine, Hals möglichst unbedeckt. Vermeiden Sie unbedingt übermäßiges Schwitzen oder Wärmestau. Vermeiden Sie Kleidungsstücke (z.B. enge Gürtel), die auf der Haut reiben. Verzichten Sie beim Waschen auf Weichspüler und optische Aufheller, die in der Wäsche verbleiben. Spülen Sie gerade im Säuglingsalter die Unterwäsche nochmals mit klarem Wasser aus.
Klimatisch günstig sind Urlaube am Meer, vorausgesetzt es herrscht dort keine übermäßige Hitze: Skandinavien, Nordsee, Bretagne, spanische und portugiesische Atlantikküste. Schlecht vertragen werden von vielen Kindern Urlaube in heißen, windarmen Mittelmeergebieten. Ebenfalls empfehlenswert sind Aufenthalte im Mittel- oder Hochgebirge. Die Salben müssen in windigen Gegenden fetthaltiger sein als zuhause (vermehrte Verdunstung!). Die handelsüblichen parfümierten Sonnenschutzmittel werden von Ekzematikern in der Regel schlecht vertragen. Fragen Sie uns nach Alternativen.
Säuglinge mit dermatitischen Hautveränderung sollten unbedingt gestillt werden. Wenn das nicht möglich ist, sollten für die ersten 6 Monate hypoallergene Milchnahrungen (H.A.) gegeben werden. Während der Stillzeit sollte die Mutter hochpotente allergene Nahrung (Fisch, Nüsse, Ei, Milch) nur in geringen Mengen zu sich nehmen. Wird vom älteren Kind Kuhmilch nicht vertragen, so ist Magerquark und Magerjoghurt oft besser verträglich (in kleinen Mengen ausprobieren!). Manchmal kann das Auftreten einer Neurodermitis mit Nahrungsmittelunverträglichkeit in Verbindung gebracht werden. Eier, Kuhmilch, Nüsse, Soja, Weizen und Fisch machen (in absteigender Reihenfolge) etwa 80 % der Überempfindlichkeiten aus. Eine Austestung gegenüber Lebensmitteln besprechen Sie bitte mit uns. Unabhängig von einer speziellen Nahrungsmittelallergie, die individuell getestet werden muß, wirken sich folgende Nahrungsmittel bei der Mehrzahl der Kinder mit einer Neurodermitis nachteilig aus: |
Obst mit hohem Säuregehalt: Zitrusfrüchte, Erdbeeren, Rhabarber, Tomaten, manchmal Spinat. Erlaubt: süße Äpfel und Birnen (geschält!), Bananen.
Süßigkeiten:
Schweinefett:
Scharfe Gewürze:
darf nicht bestraft werden. Man sollte versuchen, es in Reiben oder Tätscheln überzuführen oder Ersatzgegenstände kratzen zu lassen (Kissen, Spieltiere...). Die Kratzbewältigung ist eine der wichtigsten Aufgaben. Fingernägel kurz schneiden. Bei Säuglingen in schlimmen Fällen die Hände nachts mit einem Stülpa überziehen.
(Familie, Freunde, Schule) offen ansprechen. Gerade bei älteren Kindern und Jugendlichen werden Krankheitsschübe oftmals durch psychische Probleme ausgelöst. Keine Konfliktverarbeitung über die Krankheit! Die Behandlung einer Neurodermitis ist ein beschwerlicher Weg mit Hoffnungen, Fortschritten aber auch Enttäuschungen - für alle Beteiligten. Kind, Eltern und Kinderarzt gehen dieses Auf-und-Ab am besten in aller Offenheit, nicht mit falschen Hoffnungen oder Versprechungen, aber auch nicht ohne Zuversicht. Die Erfahrung zeigt, daß nach einer schwierigen Kleinkindphase die Beschwerden sich im Schulalter häufig deutlich bessern oder gar ganz verschwinden. Deshalb sind diese kleinen Hilfen wichtig und ergänzen den regelmäßigen Kontakt zum Kinderarzt. |
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